Ein Sommer wie er nie war / Intermezzo Etüde

Franz K. nahm diesen Sommer zum Anlass sein Leben umzubauen.

Er hatte gekündigt, seine Schränke ausgemistet, sein Sofa durch einen Schreibtisch getauscht und sich eine alte Olivetti gekauft.
Franz K. warf all seinen Mut in die kommenden Ereignisse. Er hatte sich in Klagenfurt zehn Wörter bestellt, und würde nur noch an seinem Traum arbeiten. Er hatte es sich nicht leicht gemacht.
Als er das kleine Päckchen öffnete war er aufgeregt wie ein Kind am ersten Schultag.
Alle in seinem Umfeld hatten ihm davon abgeraten. Manche schüttelten nur verständnislos den Kopf.
Doch er war überzeugt.
Er riss die Tüte auf und sortierte die Wörter.
Ablenkungsmanöver
Federkleid
Firlefanz
Fussfessel
Liebe
Luxusproblem
Ohrring
Sachertorte
Tanzte
Unterwasserkönig
Ihm fiel diese alte Gedichtzeile wieder ein.
Ein Nichts führt der Verzweiflung zu.
Der sich zu spät, ach
erst verliert, und täglich lehrt uns diese Erfahrung, daß oft ein Nichts zu vielem führt.
Franz K. sortierte die Wörter, legte sich Papier neben die rote Olivetti, spitzte Bleistifte und konzentrierte sich auf das Kommende.
Dieser Sommer war so anderst als alle Sommer vorher.
Er begann mit einem Intermezzo und würde sich dann steigern.
Er hatte sich kleine Zettel an die Wand geklebt. Hilfsgedanken.
Namen. Orte. Ereignisse. Daten. Fakten und kleine Zwischenbrücken.
Er war von nichts nicht mehr durchdrungen als sich dieser neuen Hingabe zu widmen.
Franz K. hatte 30 Jahre für andere gearbeitet, und nun würde er mit aller Stringenz und aller Ausdauer nur noch schreiben.
Blühende Gewächse erzeugen & nichts als zu schreiben.
Vielleicht auch nur etwas was andere als ein Nichts ansehen.

Ein Sommer wie er nie war.

abc etüden / Sommerintermezzo

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Do it yourself / Kopfkissen Bezug für den ruhenden Geist

Rezeptur: 1 Blanko Kopfkissen Bezug / je feiner der Stoff desto wohler für ihr Hirn.

Stoffmalfarben und alles was sich zum stempeln eignet. Große Nägel / Pappschablonen / Finger / Moosgummi / Holz / Knöpfe / Absatzgummi / Metallhülsen / Walnüsse / Schlüssel / alte Seife / Rinde / Kartoffel / Apfel / Äste & ähnliche Fundstücke ihrer Wahl.

Schieben Sie ein großes Brett in den Bezug und beginnen sie / frech frei und nach ihrem Gusto.

Lassen sie ihre Hülle trocknen und Bügeln sie mit heißem Eisen ihre Gestaltformen und anschließend im Waschgang ihre Unikathülle.

Seien Sie versichert / kein Bettendealer hat einen besseren Bezug.

Sie können sogar auf ihren eigenen Fehlern schlafen. Wer kann dies schon.

Und wenn sie geduldig und fleißig sind / können sie sogar Mayröcker Gedichte zur geistigen Ruhe in ihren Stoff bannen.

Oder verwegen in Pollock Art.

Do it yourself.

In eigenen Formen schlafen.

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Für die geheimen Abenteuer / ein Passwort / nein zwei / nein / drei

Und wenn sie dann weiterlesen wollen / geben sie einfach das Passwort ein.

Für die geheimen Aufzeichnungen / für den super versteckten Text. Ja ich sende Ihnen das Passwort / wenn sie a) die Rechenaufgabe gelöst haben: 5-4+40×23÷41,5+0000,2. b) wenn ich ihnen folge. c) wenn sie mir versprechen keiner Sau was zu sagen.

Ich schreibe ja frei / aber dennoch.

Sie kennen das bestimmt. So ungefähr wie früher im Tagebuch auf Seite 23 / die frivolen Abenteuer auf der London Fahrt. Mit Leonidas im Bus und so.

Alles Geheim und dennoch.

Also ich weiß ja nicht.

Entweder es ist Geheim oder es ist öffentlich.

Dazwischen gibt es für mich nichts. Und wenn es Geheim ist / schreibe ich es auf mein altes Butterbrotpapier und betoniere es beim Nachbarn unter die Garage.

Oder verbrenne es am Lagerfeuer und es bleibt nichts als der Gedanke.

Nun denn. Geben Sie einfach 000000x ein und die wilden Abenteuer öffnen sich ihnen und überfluten ihre moralische Seele mit den geheimen Geheimnissen von den Geheimnissen.

Ich merke schon. Sie haben mich verstanden.

Also bis später / und wehe sie plaudern darüber.

Ihr Doc Tor Sommer.

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Und zwischen der Hitze / Notizen auf einem Kamel / Friederike Mayröcker

LIEBER IN GEDANKEN REISEN, HOKUSAI

auf dem Rücken, oder unter der Lampe, laufen zu Füßen des Fuji und blicken hinauf zu verschneiter Spitze, die Schnürstiefel feucht und kalt, die Halskrause welk.

Wie, frage ich, Erkundungen einer Ferne mit den eigenen Füßen, wie, frage ich, Erfahrungen einer Ferne mit den eigenen Augen.

Wie Sehnsucht nach Ferne mit Seßhaftigkeit vereinen.

Wie, Fuß und Auge, Träne und Lust.

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